(1966 Freiburg)
“Von Federn, Föhnen und Fragmenten”
“Spieltrieb und Erkenntnisdrang sind wesentliche Motoren für Angelika Högers Kunst. Objekte, die durch Bewegungsmelder in Gang gesetzt werden, Quirle und Schneebesen versinnbildlichen die Kraft des Prozessualen. Die gefundenen Objekte aus dem Alltag sprechen von ganz persönlichen Erfahrungen, richten sich aber genauso an ein "kollektives Gedächtnis". Aus einer Idee folgt die nächste, aus einem Anblick der nächste.
Nichts ist fixiert oder endgültig, weil sich Gedanken nicht stoppen lassen. Dabei lösen sich die Installationen mit erkennbaren Zitaten von Fluxus und Arte Povera niemals in ihre Einzelteile auf, sondern nehmen in ihrer jeweils ganz speziellen Eigentümlichkeit die Gestalt eines konkreten Raumes an, in dem alles Flüchtige seinen Platz findet und eine Form erhält. In diesem Erfahrungsraum kann die Dynamik des Denkens ästhetisch erfahren werden.
Dinge werden aus ihrem Kontext gerissen, ihre vermeintliche Nützlichkeit umfunktioniert, die Anordnung der Objekte ihrer Installationen folgt nur noch der eigenen, werkimmanenten Logik und nicht mehr der des Alltags. Das sind die Regeln des Spiels und das sind die Regeln der Kunst. Die Ästhetik der Arbeiten resultiert aus der Verbindung zwischen den gefundenen und gestalteten Objekten, die Höger zu einem ästhetischen Raum verdichtet.
Inzwischen hat Angelika Höger über 1000 Quirle auf ihre ganz besondere Art und Weise gezeichnet: Zunächst nimmt sie einen Quirl und tastet ihn mit einer Hand ab, während die andere Hand die gefühlten Formen auf ein Stück Kohlepapier überträgt, und so auf dem darunter liegenden weißen Papier den Quirl als durch Högers Gefühlsapparat gefiltertes Objekt zeichnet. Sie versucht also, jeden einzelnen Quirl nicht nur zu ertasten sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Der Quirl und die Zeichnung werden anschließend mit Datum und Nummern versehen, also archiviert und katalogisiert, sodass jederzeit im unübersehbaren Quirlchaos klar ist, welcher Quirl oder Schneebesen wann schon einmal verarbeitet wurde. Mit leichter Hand das Absurde zum Poetischen zu erheben ist die Hauptqualität in Angelika Högers Schaffen.”
Text: Daniel Neugebauer, Kunsthalle Bielefeld